08. Tag
Von Bremanger zu den Tvinnefossen
Wieder eine sehr ruhige und erholsame Nacht. Wie von der Wetter-App angekündigt, zeigte sich der Morgen zunächst bewölkt mit etwas Regen – also kein Grund zur Eile.
Langsam wurde es heller und ich nutzte die Zeit noch für die klassischen Camper-Routinen: Entsorgung erledigen, Wassertank auffüllen. Kurz nach 9 Uhr verlegte ich meinen Standort die knapp drei Kilometer weiter zum Parkplatz am Grottlesanden.
Die Sonne schaffte es kurz hinter den Wolken hervor, verschwand jedoch bald wieder. Diese erste helle Phase nutzte ich für mein Frühstück und um noch den ausstehenden Post zu erledigen.
Gegen 10:30 Uhr übernahm die Sonne dann erneut das Kommando – und diesmal nachhaltiger. Ich machte einen ausgiebigen Spaziergang am Strand. Kaum jemand war unterwegs, nur eine Einheimische begegnete mir. Sie erzählte mir von den langsam eintreffenden Austernfischern und ihren Beobachtungen der letzten Tage – ein kurzer, freundlicher Austausch.
Da sich jedoch abzeichnete, dass die Sonne kein ganztägiges Versprechen war, entschied ich mich, die Fähre um 12:50 Uhr von Oldeide nach Måløy zu nehmen. Auf dem Weg dorthin nutzte ich die Gelegenheit – kein weiterer Verkehr in Sicht – für ein kurzes Foto direkt an der Tunnelausfahrt. Der Tunnel von Bremanger kommend ist einspurig und kommt ohne jede Ampelregelung aus. Hier regelt der gesunde Menschenverstand.
Um 12:05 Uhr parkte ich als Erster ganz vorne in Lane 1 am Fähranleger. Warten. Dann tauchte die Fähre am Horizont auf – ein vertrauter Anblick. Seit meiner Ankunft in Norwegen haben die Fährverbindungen zuverlässig funktioniert, mit einer Ausnahme kürzlich in Oppedal.
Also rüber nach Måløy und weiter Richtung Nordfjordeid. Inzwischen meinte es die Sonne ausgesprochen gut mit mir. Sie blieb – und ich nutzte das in Nordfjordeid aus: erst ein langer Spaziergang, dann einfach am Fjord sitzen und die Wärme genießen. Nach rund anderthalb Stunden zog es mich weiter, denn die Sonne näherte sich langsam den Bergkämmen.
Die nächste Etappe führte durch einen Tunnel – und damit auf die andere Seite des Berges, wo noch mehr Licht wartete. Genau so kam es. Direkt nach dem Tunnel stand die Sonne noch hoch, allerdings kündigte bereits der nächste Berg ihr baldiges Verschwinden an. Am Fähranleger Lote legte ich deshalb noch einmal eine 30-minütige Sonnenpause ein, bevor ich mich entschied, lieber rechtzeitig mein Tagesziel anzusteuern. Man weiß ja nie.
Für die Nacht hatte ich mir den Rastplatz „Kvalen“ ausgesucht. Doch bei der Ankunft war schnell klar: keine Option. Nicht geräumt, überall Schnee und die Temperaturen würden in der Nacht deutlich unter null sinken. Ob ich dort am Morgen problemlos herunterkäme? Ungewiss. Also weiter – es war noch hell.
Laut Park4Night gab es in der Umgebung nichts mehr. Aber die wissen auch nicht alles.
Ich fuhr weiter bis ins kleine, beschauliche Randabygda. Hier befindet sich der offizielle Parkplatz für den Tvinnefossen – direkt vor der Schule, alles entweder leicht bergauf oder bergab, je nach Blickwinkel. Da sich keine bessere Alternative anbot, stellte ich mich vor die Schule und richtete den Camper so gut es ging aus.
Im Schulgebäude war noch Betrieb. Also ging ich hinein und fragte nach. Ich traf auf eine Dame, die gerade Vorbereitungen für eine Veranstaltung am Sonntag traf – und praktischerweise auch gleich die Nachbarin gegenüber war. Sie erteilte mir ausdrücklich die Erlaubnis, dort zu stehen, sofern ich am nächsten Tag bis 12 Uhr wieder abreise. Einverstanden. Eine wirklich gute Lösung. So stand ich sicher und kann am Morgen direkt zu Fuß zum Tvinnefossen aufbrechen.
Zum Abschluss dieses unerwartet sonnigen Tages gab es erneut Hot Dogs. Dazu lief das Bundesliga-Spitzenspiel Der Klassiker zwischen Borussia Dortmund und FC Bayern München – Endstand 2:3. Ein wirklich starkes Spiel, vermutlich das beste, das ich in dieser Saison bisher gesehen habe.
Hier ist es inzwischen wieder deutlich kälter, die Temperaturen fallen unter den Gefrierpunkt. Ich bin gespannt, was der Morgen bringt.
Übernachtung: Parkplatz vor Schule – Randabygda
Übernachtungsart: Wild Camping
Tageskilometer: 98
Wetter: Sonne
