07. Tag
Von Naustdal nach Bremanger
Wegen der angespannten Wettersituation hatte ich mir am Abend viele Gedanken zur weiteren Routenplanung gemacht – so viele, dass es schließlich kurz vor Mitternacht wurde, bis ich ins Bett kam. Trotz nahezu durchgehendem Regen schlief ich ausgezeichnet. Umso überraschter war ich, als mir die Uhr 8:45 Uhr verkündete, als ich sie danach fragte.
Draußen weiterhin leichter Regen. Der Tag würde wohl erneut im Zeichen nasser Straßen stehen, die Etappe war überschaubar – also kein Grund zur Eile. Ich ließ es ruhig angehen: etwas Admin, zusammenräumen, ein kurzer Abstecher zum nahen Extra-Supermarkt – und gegen 11 Uhr ging es auf Pad.
Bereits 20 Minuten später stoppte ich am Eikefjord. Frühstück in Form eines Smoothies, ein kurzer Blick aufs Wasser – und gegen 12 Uhr setzte ich die Fahrt fort. Der Regen fiel inzwischen deutlich moderater als an den Tagen zuvor.
Am Wasserfall Brudesløret war es sogar komplett trocken von oben. Der Himmel hellte sich für einen Moment leicht auf. Der Wasserfall selbst präsentierte sich kraftvoll und voll im Fluss – kein Wunder nach den anhaltenden Regenfällen. Besonders schön war der Kontrast zum noch größtenteils gefrorenen Haukåvatnet, in den das Wasser mündet. Bewegtes Wasser neben stiller Eisfläche – auch ohne dramatischen Himmel ein starker Anblick.
Je näher ich der Atlantikküste kam, desto mehr nahm der Wind zu. Böen mit über 70 km/h trafen den Camper, aber alles gut beherrschbar – wir hatten schon deutlich heftigere Bedingungen erlebt. Da der Tag noch jung war, Regen und Wind jedoch weiterhin mitspielten, entschied ich mich für einen Abstecher nach Kalvåg. Dort gibt es einen kleinen Fischladen – zumindest theoretisch.
Wie schon bei meinem Besuch im Mai 2024 war die Auslage auch diesmal wieder… sagen wir: übersichtlich – leeeeeer. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass aktuell nur ein Kutter ausläuft und der Fang direkt ins Restaurant oder in den Handel geht. Es gab jedoch tiefgefrorenen Fisch. Und da ich heute unbedingt etwas aus dem Meer wollte, entschied ich mich für Monkfish – bei uns als Seeteufel oder Anglerfisch bekannt, hier in Norwegen „Breiflabb“.
Mein Aufenthalt in Kalvåg brachte tatsächlich eine kleine Wetterwende: Der Regen hörte auf – und mit ihm der Wind. Also zurück und weiter zur Iglandsvik Marina. Wildcampen ist hier in der Umgebung kaum möglich oder nicht gewünscht, geeignete Plätze fehlen schlicht. Also erneut Campingplatz – wie schon 2024.
Offenbar war ich der erste Camper in dieser Saison. Der Besitzer kam extra, schloss einen Waschraum auf und sorgte dafür, dass das Wasser wieder angeschlossen wurde. Strom war verfügbar, WLAN ebenfalls – wenn auch ähnlich gemächlich wie beim letzten Mal. Bezahlt habe ich im rund 500 Meter entfernten Joker-Supermarkt.
Anschließend fuhr ich noch weiter zum Strand Grottlesanden. Und tatsächlich – die Sonne zeigte sich. Nicht voll, nicht lange, aber genug. Nach so vielen grauen Tagen war allein ihr Erscheinen ein Geschenk. Ich saß eine Weile dort, blickte hinaus und bereitete mich gedanklich auf hoffentlich mehr davon am nächsten Tag vor.
Zurück am Platz wurde „Mokel“ verkabelt und der tiefgefrorene Breiflabb durfte auftauen. Zubereitet habe ich ihn im Air Fryer – Modus „Air Fry“, rund 13 Minuten, dann landeten die Filets auf dem Teller. Seeteufel hatte ich zuvor noch nie probiert. Das Fleisch: weiß, grätenfrei, geschmacklich klar Fisch – aber die Konsistenz erinnerte mich stark an helles Hähnchen- oder Putenfleisch. Es schmeckte gut, keine Frage. Doch beim nächsten Mal würde ich vermutlich wieder eine andere Fischart wählen.
Am späten Abend kehrten Regen und sogar etwas Hagel zurück. Aber das war mir egal – ich saß trocken und zufrieden im Camper.
Übernachtung: Iglandsvik Marina
Übernachtungsart: Camping
Tageskilometer: 158
Wetter: Regen
