04. Tag
Von Kartavoll bis Ropeid
Eine herrlich ruhige Nacht mit ausreichend Schlaf – perfekte Voraussetzungen für einen guten Tag. Als ich gegen 7:30 Uhr einen Blick nach draußen warf, kam direkt Vorfreude auf: Es sah nach Helligkeit aus, vielleicht sogar nach Sonne. Ein paar blaue Stellen am Himmel waren bereits zu erkennen. Genau das wollte ich nutzen, denn die für den Vormittag grob geplanten Ziele entfalten ohne Regen und schwere Wolken einfach eine ganz andere Wirkung.
Also ging es schon kurz nach 8 Uhr los. Gegen kurz vor 9 Uhr erreichte ich Gloppedalsura. Ein kurzer Fakteneinschub (frei nach Google): Gloppedalsura in der Region Rogaland ist eines der größten Blocksteinmeere Nordeuropas. Entstanden vor rund 10.000 Jahren nach der letzten Eiszeit durch einen gewaltigen Bergrutsch, liegen hier teils haushohe Felsblöcke auf einer Endmoräne – eine dramatische, fast unwirkliche Landschaft.
Die Sonne war tatsächlich da, hielt sich aber noch hinter den steilen Bergflanken links und rechts zurück. Ich schickte meine Drohne zu ihrem ersten Einsatz in Norwegen. Die Ergebnisse sind solide: Alles gut erkennbar, auch wenn das gesamte Blockfeld aktuell unter einer geschlossenen Schneedecke liegt. Für mich macht genau das den Reiz aus – diese rohe Struktur unter dem winterlichen Weiß.
Kurz vor 10 Uhr erreichte ich den Parkplatz am Wasserfall Månafossen. Im Vorfeld hatte ich bereits gelesen, dass der knapp 400 Meter lange Aufstieg zum Aussichtspunkt im Winter nicht ohne ist. Nun ja – ich bin hoch. Und ich habe geflucht. Nicht nur einmal.
Es war schlichtweg alles glatt. Wirklich alles. Meine über Jahrzehnte bewährten Wanderstiefel? Komplett ohne Grip. Ohne die wenigen schneebedeckten Passagen, zwei (oder waren es doch mehr?) Treppen und mehrere Stahlseile hätte ich weder Auf- noch Abstieg geschafft.
Die meisten Menschen, die mir entgegenkamen, trugen Spikes an den Schuhen. Richtig. Genau das Thema hatte ich letztes Jahr schon einmal auf dem Zettel – mich dann aber dagegen entschieden. Wofür auch? Tja. Klassiker. „Besser haben als brauchen.“ Ich hatte sie nicht – und musste kämpfen.
Oben angekommen war alles vergessen. Der Ausblick entschädigte vollständig. Der obere Teil des Wasserfalls war komplett gefroren, der untere größtenteils ebenfalls, aber mit sichtbarer Bewegung im Fallwasser. Genau diese Kombination hatte ich mir erhofft – und sie wurde hier perfekt geliefert. Ein zauberschöner Anblick.
Der Abstieg musste natürlich auch noch bewältigt werden. Als ich unten ankam, war ich etwas… sagen wir: durch. Gut, dass mein Wasser noch heiß war – eine Dusche war definitiv nötig. Aber: Dieser Wasserfall war absolut lohnenswert.
Zum längst überfälligen Frühstück zog es mich anschließend an den Frafjord. Der Himmel hatte inzwischen etwas zugezogen, es gab noch Reste von Sonne und Blau, aber längst nicht mehr so großzügig wie am Vormittag. Auf meiner Liste standen nun noch zwei Punkte: ein kurzer Zwischenstopp in Jørpeland – und endlich Spikes für meine Schuhe kaufen. Mission erfüllt.
Danach ging es nur noch um einen Platz für die Nacht. Nach insgesamt zwei Fährfahrten an diesem Tag entschied ich mich bewusst für einen offiziellen Rastplatz: Ropeid. Und es passte alles. Frei verfügbare Plätze, geöffnete und funktionierende Sanitäranlagen – ein rundum entspannter Tagesausklang.
Übernachtung: Rastplatz Ropeid
Übernachtungsart: Wild Camping
Tageskilometer: 231
Wetter: Sonne
