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06.03.2026

14. Tag

Von Brimnes nach Krokstadelva

Eine ruhige Nacht, obwohl der Rastplatz direkt an der Fv37 nach Rjukan liegt – geht also auch anders. Da ich früh wach war, machte ich mich ebenfalls zeitig auf den Weg. Laut Wetterbericht sollte der Vormittag noch freundlich sein, besonders dort, wo ich hin wollte.

Mein Ziel war die Gaustabanen, die inzwischen auch Touristen auf den Gaustatoppen bringt. Und da ich oben natürlich gerne in die Weite schauen wollte, wären Wolken eher unangebracht gewesen. Laut Vorhersage sollte das am Vormittag möglich sein.

Von der Fv37 in Rjukan auf etwa 350 Meter über dem Meeresspiegel bis hinauf zum Parkplatz auf rund 1.150 Meter führt eine knapp zehn Kilometer lange Serpentinenstraße – eine Strecke, die dem Camper durchaus einiges abverlangt. Die Straße war jedoch komplett geräumt und größtenteils auch gestreut, sodass die Auffahrt problemlos möglich war.

Bereits um 8:20 Uhr stand ich am Eingang – nur um festzustellen, dass die erste Bahn erst um 10 Uhr fährt. Grrrr. Hätte ich wohl vorher recherchieren können. Also bereitete ich in Ruhe den anstehenden Post vor, kaufte mein Ticket und kehrte kurz vor zehn Uhr wieder zum Eingang zurück.

Beeindruckend ist vor allem, was hier in den 1950er-Jahren in den Berg gebaut wurde – und dass die Anlage bis heute im Grunde noch im ursprünglichen System funktioniert. Auf beiden Abschnitten fahren immer Begleiter mit. Der untere Wagen wird manuell gesteuert, während die beiden schrägen Bahnen – sie fahren parallel und treffen sich in der Mitte – zentral kontrolliert werden.

Die Gaustabanen ist tatsächlich eines der kuriosesten technischen Bauwerke Norwegens: eine elektrische Seilbahn, die vollständig im Inneren des Berges verläuft.

Kurzer Blick auf die Geschichte:

Bauzeit: 1954 begonnen, 1959 fertiggestellt.

Zweck: Während des Kalten Krieges entstand hier eine streng geheime Anlage für eine militärische Funkstation.

Grundidee: Die Anlage sollte wetterunabhängig erreichbar sein und gleichzeitig geschützt im Inneren des Berges liegen.

Beteiligte: Norwegische Streitkräfte als Bauherr, finanziell unterstützt von der NATO.

Technische Daten:
850 Meter horizontaler Tunnel, anschließend 1.045 Meter Standseilbahn mit rund 39 Grad Steigung
Erst seit 2010 ist die Anlage für Besucher geöffnet und bringt Wanderer in etwa 15 Minuten fast bis zum Gipfel auf rund 1.883 Meter Höhe.

Heute besteht die Fahrt aus zwei Teilen:
Zunächst ein batteriebetriebener Wagen, der die Passagiere horizontal in den Berg hineinfährt. Danach folgt die eigentliche Standseilbahn, die in einem schrägen Schacht nach oben zieht. Oben angekommen trennen einen nur noch wenige Treppenstufen von der Aussicht – bei gutem Wetter soll man von hier etwa ein Sechstel der Fläche Norwegens überblicken können.

Nun ja… durch die spätere Abfahrt war ich erst gegen 10:30 Uhr oben. Und was soll ich sagen: alles dicht. Wolken, Wind und keinerlei Sicht. Ich wartete noch eine halbe Stunde, doch das Wetter zeigte keine Anzeichen einer Besserung. Also ging es wieder hinunter.

Die anschließende Abfahrt mit dem Camper war ebenfalls nicht ganz ohne – hochtourig, viel Bremsarbeit, aber wir haben das gut gemeistert. In Rjukan gönnte ich mir erst einmal ein wohlverdientes Frühstück. Danach entschied ich, hier gibt es heute nicht mehr viel zu holen – also weiter zur nächsten Stabkirche.

Am frühen Nachmittag erreichte ich die Heddal Stabkirche. Der Himmel war noch leicht geöffnet, aber echte Sonne gab es nicht mehr. Trotzdem schickte ich die Drohne in die Luft, um ein paar etwas andere Perspektiven einzufangen. Anschließend suchte ich mir in Ruhe zwei mögliche Plätze für die Nacht aus und machte mich auf den Weg dorthin. 

Am Ende wurde es der zweite: ein kleiner Wanderparkplatz, ruhig gelegen und komplett abseits – versprach eine entspannte Nacht.

Zum Abendessen gab es schließlich Scampi aus dem Air Fryer. Herrlich einfach zuzubereiten – und mindestens genauso lecker wie aus der Pfanne.

Übernachtung: Parkplatz am Årbogen
Übernachtungsart: Wild Camping
Tageskilometer: 183
Wetter: Wolken

 

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