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01.03.2026

09. Tag

Von den Tvinnefossen nach Sogndal

Diese Nacht war nicht ganz so erholsam. Vermutlich lag es an der leichten Schräglage des Campers – ich hatte auf der ungewohnten Seite geschlafen. Egal, das wird nachgeholt.

Um 7:30 Uhr war ich wach, schaute kurz hinaus – klarer Himmel. Also würde die Sonne kommen. Nicht lange überlegen. Du hast ein Ziel. Um 8:20 Uhr machte ich mich auf den Weg zum Tvinnefossen – natürlich erst, nachdem ich wie versprochen den Camper noch etwas umgesetzt hatte, damit er weniger Platz beansprucht.

Der Spaziergang zum Aussichtspunkt ist angenehm und nahezu eben, etwa 1,5 Kilometer. Nach den Steinsdalsfossen ist dies nun der zweite Wasserfall in Norwegen, den man „hintergehen“ kann. Während es am Steinsdalsfossen vor einigen Tagen nicht erlaubt war, gab es hier kein Verbotsschild – also hinein.

Zunächst sammelte ich Eindrücke von verschiedenen Aussichtspunkten, dann ging ich ganz nah heran, sogar unter den Fall. 

Ein beeindruckender Auftritt: Rundherum noch Eis und gefrorene Flächen, doch das Fallwasser selbst kraftvoll und lebendig. Diese Mischung aus stiller, gefrorener Landschaft und rauschender Dynamik war einfach großartig. Der Weg ist insgesamt gut begehbar, nur die letzten Meter sind etwas steinig und mit Vorsicht zu genießen – selbst bei leichter Glätte aber gut machbar. Für mich ganz klar: neuer Favorit unter den Wasserfällen.

Zurück am Camper zog ich mich nur kurz um und machte mich direkt auf den Weg. Die Fähre in Lote fährt ab 10 Uhr im 20-Minuten-Takt – völlig entspannt. Meine war die um 10:40 Uhr, bei strahlendem Sonnenschein und tiefblauem Himmel.

Unterwegs entdeckte ich ein Schild mit der Aufschrift „Eidsfossen“. Zeit hatte ich genug – also warum nicht? Vor Ort wich die Realität jedoch deutlich von den Bildern ab, die ich zuvor gesehen hatte. Nicht wegen Eis – sondern wegen eines Schildes mit der Aufschrift „Kraftverk“. Klar: Wenn hier die Schleusen nicht geöffnet werden, gibt es keinen Wasserfall. Und an einem Sonntag im Winter wohl erst recht nicht. Also nur ein Blick auf das, was hätte sein können. Ab auf die Bucket List – weiter.

Der nächste geplante Stopp lag direkt hinter dem knapp 6,5 Kilometer langen Fjærlandstunnel. Von dort sollte es links zu einem Parkplatz und weiter zum Aussichtspunkt auf den Bøyabreen gehen. Theoretisch. Die Schilder waren abgeklebt, die Straße nicht geräumt – alles voller Schnee. Also direkt weiter zum nächsten Gletscher, dem Supphellebreen.

Hier waren die Hinweisschilder nicht abgeklebt – also schien die Straße offen. Anfangs gut fahrbar, dann etwas Eis, dann mehr. Für den Supphellebreen gibt es zwei Parkplätze. Mein Plan: erst den unteren prüfen, dann entscheiden. Doch dieser war nicht geräumt – trotz Gebührenhinweis. Da wurde mir klar: Nur weil ein Schild nicht abgeklebt ist, heißt das noch lange nicht, dass die Infrastruktur auch wintertauglich ist.

Eigentlich eine freundliche Botschaft: Du bist außerhalb der Saison hier. Und ja – das stimmte. Weiterfahren wollte ich auf der zunehmend vereisten Straße jedoch nicht mehr. Kurz nach dem Parkplatz führte ein Weg links zu einer kleinen Siedlung. Direkt nach der Gabelung war eine größere Fläche geräumt. „Touristenparkplatz“, dachte ich – und musste schmunzeln. Ach ja, das bin ja ich.

Von dort waren es erneut rund 1,5 Kilometer bis zum Gletscher. Also warm anziehen – trotz Sonne zeigte das Thermometer -8 Grad. Der Weg wurde zunehmend beschwerlicher. Ein Trecker mit Schneeketten kam mir entgegen. Die letzten 500 Meter lagen 20 bis 30 Zentimeter Schnee – offenbar war hier seit Längerem niemand mehr unterwegs gewesen.

Und dann am Ziel dieser Anblick. Ein unglaubliches Blau – fast wie ich es sonst nur aus Namibia kenne. Dazu die strahlende Sonne und links die Ausläufer des Supphellebreen mit ihrem typischen Türkis im Gletschereis. Ich war allein. Absolute Stille. Natur pur. Wunderschön.

Nur meine Idee, hier irgendwo zu übernachten, war vom Tisch. Zurück am Camper entschied ich mich nach Mundal (Fjærland) zu fahren, wo ich im Mai 2024 bereits gestanden hatte. Doch diesmal begrüßte mich ein neues Schild: „Camping verboten“. Also Plan C.

In Ruhe tauschte ich meine Gasflaschen und entschied mich dann, weiter nach Sogndal zu fahren. Entweder ein Parkplatz in der Stadt – oder auf der anderen Seite beim Kjørnes Camping, allerdings offiziell geschlossen. Bei Park4Night hatte ich einen Kommentar vom Januar gelesen: geschlossen, aber Übernachtung möglich. Das könnte ich doch auch, dachte ich.

In Sogndal selbst fand ich keinen geeigneten Platz. Also weiter zum Campingplatz. Als ich ankam, stand die Sonne noch tief und golden am Himmel – direkt gegenüber über dem Fjord. Ja, offiziell geschlossen. Aber die Wege waren geräumt. 

Ich suchte mir eine freie Parklücke, stellte mich auf und setzte mich noch eine Weile ans Wasser. Die Sonne sank langsam, färbte den Himmel – und verschwand schließlich hinter den Bergen. Mit ihr kam die Kälte zurück.

Nach einem kurzen Spaziergang über das Gelände ging es in den Camper. Warm, ruhig, zufrieden.

Übernachtung: Kjørnes Camping (closed)
Übernachtungsart: Wild Camping
Tageskilometer: 145
Wetter: Sonne

 

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